Unterstützung der Entwicklung autistischer Kinder mit dem Spiel Pam Pam Pam
Wir sind Márti und Robi – ein Ehepaar, beide Sonderpädagogen – und unsere Tochter Nóra, die als Universitätsstudentin frischen Schwung mitbringt. Seit rund zwei Jahrzehnten arbeiten wir mit autistischen Kindern, und uns leitet ein gemeinsames Ziel: dass sich autistische Kinder am Spieltisch zu Hause fühlen.
Pam Pam Pam wurde so gestaltet, dass es auf die Stärken des für Autismus charakteristischen kognitiven Profils aufbaut – die Fähigkeit zum Systemisieren, den visuellen Detailfokus, die Regelbefolgung. Am Spieltisch kann dieser Denkstil zu einem natürlichen Vorteil werden, nicht zu einem Hindernis.
Rhythmische Silben für das Sprechen des autistischen Kindes
Für nicht oder kaum sprechende Kinder ist es leichter, rhythmische, einfache Silben auszusprechen als komplizierte Wörter: Es geht nicht darum, einen Satz zu bilden, sondern darum, drei gleiche Silben auszusprechen. Der Rhythmus von „Pam Pam Pam“ unterstützt den Einstieg ins Sprechen, was bei verzögerter Sprachentwicklung besonders wertvoll ist.
Der bilabiale Verschlusslaut /p/, der offene Vokal /a/ und der bilabiale Nasal /m/ gehören zu den frühesten und am leichtesten zu bildenden Lauten: Alle drei treten erstmals in der Lallphase auf (Jakobson, 1941; Vihman, 1996). Wenn das Kind den Namen des Spiels aussprechen kann, kann ihm das schon in den ersten Minuten ein Erfolgserlebnis bieten.


Auch wenn es nicht spricht, spielt es mit
Wir haben das Spiel so konzipiert, dass es auch ohne zu sprechen vollwertig spielbar ist. Die Aufgabe besteht nicht darin, die Antwort hineinzurufen, sondern die Gedanken „herauszulegen“. Das Kind wählt die Scheiben vom Scheibentablett aus und legt sie auf den Antwortstreifen. Diese Bewegungsfolge ist die Kommunikation selbst.
Die Scheiben und der Antwortstreifen beruhen auf einem seit Langem bekannten UK-Grundprinzip: Das Kind wählt das Zeichen aus, setzt es zusammen und übergibt es (Auswahl–Konstruktion–Transaktion). Pam Pam Pam ersetzt nicht das Kommunikationssystem des Kindes, übt aber dieselbe Handlungsabfolge ein.
Unterstützung der Entwicklung autistischer Kinder – 3 Kommunikationsebenen
Alle drei sind gleichwertig – das Kind kann sich frei zwischen ihnen bewegen.
Nur Streifen
Die niedrigste Schwelle. Das Ablegen des Streifens ist an sich eine vollständige Antwort. Es wird keine verbale Leistung erwartet.
Streifen + Zeigen
Das Kind legt den Streifen ab und zeigt auf die Scheiben. Der erste Schritt des intentionalen Teilens – die Aufmerksamkeit richtet sich nach außen, auf die Umgebung.
Streifen + Zeigen + „Pam Pam Pam“
Das Kind legt den Streifen ab, zeigt auf die Scheiben und sagt: „Pam Pam Pam.“ Phonetisch einfach, der Rhythmus unterstützt die Artikulation.
Wer es nicht aussprechen kann, kann es mit einem UK-Hilfsmittel (z. B. einer Kommunikationstaste) abspielen – das gilt genauso.
Die Eliminationstafel: wenn der Gedanke sichtbar wird
Als Förderfachkraft kann man oft nur schwer in den Kopf des Kindes hineinschauen: Versteht es die Aufgabe, oder rät es? Dafür ist die Eliminationstafel da. Auf diesem (laminierten) A4-Blatt geht das Kind die Logik Schritt für Schritt visuell durch.
Die Förderfachkraft sieht genau, wo das Kind steht, was es verstanden hat und wo es hängengeblieben ist. Wir müssen nicht fragen – nur beobachten.

„Rot, Kreis, Fünf!“ – sicheres Sprechen
Für Kinder, die in festen Satzrahmen denken oder Angst vor spontaner Sprache haben, ist zwangloses Plaudern stressig. Die Sprache von Pam Pam Pam ist auf natürliche Weise festgelegt: „Rot, Kreis, Fünf!“ Keine Beugung, keine Bindewörter – nur die reinen Fakten: Farbe–Form–Wert.
Dieses festgelegte Sprachgerüst gibt Sicherheit und ist frei von sozialen Fallen: keine Ironie, keine Betonungserwartung, keine Höflichkeitskonventionen. Bei Kindern mit selektivem Mutismus können das Erfolgserlebnis und der vorhersehbare sprachliche Rahmen die Kinder in ihrer Bereitschaft ermutigen, sich stimmlich zu äußern.

Kompetenz-Umkehr
Bei sozialer Integration geht es oft darum, dass sich das autistische Kind anzupassen versucht. Das Inklusionsmodell von Pam Pam Pam beruht nicht darauf: Das Spiel schafft einen gemeinsamen Raum, in dem beide kognitiven Profile ihre eigenen Stärken mobilisieren. Das Regelsystem ist binär – stimmt überein oder nicht.
Nach unserer praktischen Erfahrung zerlegen nicht sprechende autistische Kinder visuelle Informationen oft schneller in Farbe–Form–Wert als ihre neurotypischen Altersgenossen – das ist eine anekdotische Beobachtung, ohne systematische Messung. Wir nennen das Kompetenz-Umkehr: Auf dem Terrain der visuellen Logik ist das autistische Kind auf heimischem Boden.

Stille Verbindung: die Kraft des Gemeinsamen Dritten
Für viele autistische Kinder sind direkter Blickkontakt und verpflichtende verbale Interaktion belastend. Am Spieltisch richtet sich die Aufmerksamkeit aller auf die Scheiben und den Antwortstreifen – nicht aufeinander. Dieser Rahmen funktioniert nach dem Prinzip des Gemeinsamen Dritten (Husen, 1996): Die Förderfachkraft und das Kind kommunizieren nicht miteinander, sondern über das gemeinsame Objekt.
Präsenz und Aufmerksamkeit sind gegenseitig, die soziale Last aber ist minimal. Das Kind verbindet sich über das Spiel – sicher, im eigenen Tempo, auch ohne Worte. Nach Miltons (2012) Ansatz der doppelten Empathie ist die Kommunikationsschwierigkeit kein einseitiges Defizit der autistischen Seite, sondern ein gegenseitiges Missverständnis zwischen zwei unterschiedlichen Denkweisen. Pam Pam Pam baut darüber eine Brücke – wir nennen das die Brücke der doppelten Empathie.
Umgebungsbezogene und sensorische Strukturierung
Wichtig: Pam Pam Pam ist kein eigenständiges pädagogisches Förderprogramm und ersetzt weder die autismusspezifische Förderung noch Logopädie, sonderpädagogische Einheiten oder psychologische Unterstützung. Das hier Beschriebene beruht auf der praktischen Erfahrung der Autoren; die Wirkungen können von Kind zu Kind unterschiedlich sein.
